Swiss Team consolidates teaching in Okpoga, Nigeria

Reisebericht Nigeria 10.-25.Oktober 2015

Nach wochenlangen Vorbereitungen auf unseren Einsatz kam ein Tag vor dem Abflug der Endspurt. Alle Kisten wurden individuell gepackt, um möglichst das Maximalgewicht von 23kg pro Kiste und Koffer sinnvoll auszunutzen. Treffen am Samstag um kurz vor sechs am Flughafen Zürich. Um kurz vor halb sieben war die Mannschaft von fünf Leuten komplett. 8 Kartons sterile Handschuhe und Paracetamol mussten noch auf die Kisten verteilt werden. Check in und Sperrgutabgabe verliefen einwandfrei und es ging – mit einer 20minütigen Verspätung – erst einmal Richtung Frankfurt los. Kurz darauf dann, mit einer Verspätung von 50 Minuten, direkt nach Abuja, Nigeria. Am Zoll dann Kontrolle der Kisten mit Zwangsabgabe von 100ml NaCl-Flaschen. Der Rest verlief erfreulicherweise reibungslos. Sofort wurden wir von 27 Grad feuchtheissem Klima und einem Team mit Schwester Maria, dem Orden angehörend, empfangen und zu einer nahegelegenen Unterkunft in Abuja gebracht.

Die Unterkunft war einfach, aber mit einem herrlichen Garten, inmitten einer doch eher slumartigen Gegend. Die Nacht war warm und ruhig mit leicht schwingendem und knackendem Deckenventilator. Man fiel schnell müde in einen tiefen Schlaf. Tag 2 sollte eigentlich um 7 Uhr morgens mit einem Frühstück beginnen. Während wir im Garten unter einer wunderschönen Schirmakazie auf das Öffnen des Speisesaals warteten, wurden wir stattdessen von Stanley mit Daten und Informationen über Nigeria gefüttert. Nach 1h und 20 Minuten war es dann endlich soweit. Die Nonnen waren wohl fertig mit ihrer Sonntagsandacht und der Tag konnte beginnen. Um 10 vor 10 waren die Gepäckstücke verstaut und wir waren abfahrbereit nach Okpoga. Die geplante Fahrzeit von knapp sechs Stunden konnten wir nicht einhalten, da ein Breakdown uns eine neue Benzinpumpe und zwei Stunden Aufenthalt an einer Brücke am Niger irgendwo inmitten des Landes auf halbem Wege gekostet hat. Doch diese Zwangspause offenbarte uns den einen oder anderen interessanten Einblick in die Welt dieser Menschen hier. Frisch oder auch weniger frisch geräucherter Fisch wurde reichlich feilgeboten. Es wurden aus Teakholz kleine 1-2 Mann-Boote gezimmert und all dieses Leben spielt sich genau neben der vierspurigen Hauptstrasse ab. Ein zum Teil ohrenbetäubender Lärm und Gehupe signalisiert: Achtung, grosses Auto in Anfahrt. Die ersten Farbtupfer holte sich der eine oder andere Kollege in der Sonne und dann ging die Reise weiter. Eine immer grüner werdende Vegetation zeigte sich uns. Der Himmel war meist blau und wolkenfrei, der erwartete Regen blieb aus. So kamen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit nach 457 Kilometern in Okpoga an. Die Begrüssung war tränenrührend. Wir wurden umarmt, persönlich einzeln von so vielen Menschen willkommen geheissen und anschliessend mit Trommelrhythmus betanzt. Es war rundum super. Anschliessend bezogen wir unsere Unterkunft und genossen fliessend Wasser unter einer angenehmen Dusche. Es folgte ein vorzügliches Abendessen und dann ein tiefer Schlaf. Um 8 Uhr des nächsten Tages waren die ersten Patienten einbestellt. Es gab noch reichlich zu tun.

Montag: nach einer sehr angenehmen und ruhigen Nacht trafen wir uns im Haupthaus um viertel vor sieben zum Frühstück. Anschliessend ging’s hinüber in das Gebäude mit den Operationsräumen. Während die beiden Chirurgen Pascale und Ralf über 80 Patientinnen und Patienten für eine allfällige Operation (OP) evaluierten, machte der Rest des Teams Bestandes-Aufnahme der noch vorhandenen Materialien und packte unser mitgebrachtes dazu. Für den frühen Nachmittag waren vier OP’s geplant. Das Programm wurde bereits zu Beginn etwas durcheinander gewürfelt, da kurzfristig parallel eine Sectio angemeldet wurde. Die Patientin blutete vaginal und es war eine erhöhte Dringlichkeit geboten. Doch das muss man als Europäerin noch lernen, wie dringlich eine solche OP begonnen wird. Die Patientin kam zu Fuss in den Operationssaal – auch etwas Befremdendes für uns. Ein gesundes Mädchen wurde geboren. Um sechs waren wir x-mal durchgeschwitzt und angenehm k.o. parat, um Feierabend zu machen. So vergingen die Tage am laufenden Band und man spielte sich als Team immer mehr ein. Die Anzahl der OP’s pro Tag stieg an, da auch der eine oder andere Notfall von Sectio, inkarzerierter Hernie oder Blinddarmentzündung hinzu kam und es sich wohl herumgesprochen hatte, dass das SST wieder vor Ort ist und noch „Plätze“ frei wären. Die Schnittzeit am Morgen schafften wir nicht, etwas nach vorne zu verlegen. Da blieben die Nigerianer konsequent. Doch das Teaching sowohl der Instrumentierenden, der Anästhesie Durchführenden wie auch der Operierenden nahm gute Formen an. Das tägliche Prozedere wurde am Sonntag für einen Tag pausiert. Wir besuchten die auf dem Gelände des St. Mary Hospitals abgehaltene Messe und spazierten anschliessend durch den Ort – begleitet von einer wachsenden Kinderschar. Spätestens jetzt bekam der Europäer seine „Farbe“! Am Nachmittag wurde uns zu Ehren ein Fest gefeiert. Gross wie Klein tanzten mit einem Lachen auf den Lippen mit purer Leidenschaft. Eine schweisstreibende Angelegenheit. Es ist ihre Art, ihre Dankbarkeit auszudrücken – und uns gab es ein wunderbares Gefühl, inmitten dieser Menschen sein zu dürfen.

Eine neue Woche begann und diese verging inzwischen routinierter als die erste. Man gewöhnte sich – wenn auch nur zögerlich – an die hier herrschenden Temperaturen. Nach vielen erfolgreichen Operationen ohne nennenswerte Komplikationen wurde am Freitag Abschied mit allen gefeiert. Am Samstag begleitete uns Schwester Christiana – die Leiterin des St. Mary Hospitals – bis nach Abuja. Ein kurzes Treffen zum Essen mit dem Schweizer Botschafter und dann erwartete uns bereits der Abflug. Mit einer Menge toller Erinnerungen und Eindrücke verlassen wir Nigeria. Kaum zu Hause befasst man sich mental bereits mit einem nächsten Einsatz in ...???

Tanja Stallmann

 

Team:                  Tanja Stallmann, Anästhesistin

                            Ralf Baumgärtner, Chirurg

                            Iris Heer, Physiotherapeutin

                            Sebastian Reich, technischer Operationsfachmann

                            Pascale Meschberger, Chirurgin